KURZGESCHICHTEN: TEUFLISCH HEISS & DRECKIG





9 Sexstories, bei denen die Grenze von Lust & Schmerz verschwimmt und dunkle Fantasien wahr werden.


LESEPROBE
Sex mit einem Killer

Ob blond, braun oder schwarz, groß, klein, schlank oder mit üppigen Kurven. Ich hatte schon alle Frauen. Die Schönsten, die Klügsten, die mit dem größten Sexappeal. Schamlose Schlampen, die sich willenlos meinen Vorgaben fügten und solche die meinten, mit ihrer Widerspenstigkeit mein Interesse wecken zu können. Ich hab’ alle durchschaut und ich hab jeder gegeben, was sie verdient hatte. Mit Recht kann ich sagen, dass es nichts gibt, das ich nicht schon gesehen hätte. Keine, die es schafft, mich noch irgendwie zu überraschen. Und doch ist das Bild, das sich mir hier in diesem Hotelzimmer bietet, so aufregend und grotesk, dass ich einen Augenblick lang im Eingang stehen bleibe und gegen den Türrahmen sinke, um es ausgiebig zu betrachten.

Da liegt sie also, Nathalia Velanova. Jung, wunderschön, mit schulterlangem goldbraunem Haar und blitzblauen Augen. Und sie trägt nichts weiter, als hellblaue Seidenwäsche, die von schwarzer Spitze gesäumt ist und die ihre perfekten Kurven optimal zur Geltung bringt. Sie ist schön. Noch viel schöner sogar als vor drei Tagen, als sie mir zum ersten Mal im Cocktailkleid gegenüberstand. Jetzt, ohne störende Kleider, kann ich jedes Detail ihres makellosen Körpers betrachten. Die langen, glatten Beine, die zart von der Sonne gebräunt sind. Die mittelgroßen, optimal gerundeten Titten, den flachen Bauch und das gebärfreudige Becken, an dessen Leiste sich eine schwarz schattierte Weinrebe entlang schlängelt. Die Tätowierung entlockt mir ein Grinsen. Eigentlich hätte ich Nathalia nicht für den Typ dafür gehalten. Aber andererseits … was weiß ich schon von dieser Frau.

Selbstbewusst und ruhig liegt sie da und wartet auf mich. Kein Zittern, kein Herzrasen verrät ihre Angst. Es scheint fast, als wäre es ihr vollkommen egal, dass meine Bodyguards ihre Füße und Handgelenke an die Bettpfosten gefesselt haben und dass ein dicker Knebel in ihrem Mund dafür sorgt, dass sie keine verräterischen Schreie ausstoßen kann. Wahrscheinlich ist es das auch, denn Nathalia Velanova wiegt sich in Sicherheit. Sie denkt, sie hätte die Situation unter Kontrolle. Vielleicht malt sie sich schon ihre Beförderung aus, ihren Ruhm, wenn sie es geschafft hat, den berüchtigten Mr. Grey Killer, für den sie mich hält, auf frischer Tat zu ertappen. Sie ahnt nicht, dass ich sie längst durchschaut habe. Dass ich den Notfallknopf in ihrer linken Hand genau sehe, selbst wenn sie ihn unbemerkt an meinen Handlangern vorbei schmuggeln konnte. Sie weiß auch nicht, dass ich das Einsatzteam unten in der Lobby gesehen habe, das nur auf ihr Zeichen wartet, um das Zimmer zu stürmen und mich zu verhaften.

Und es gibt noch etwas, dass sie nicht weiß: Mit ihrem Undercover-Einsatz als Callgirl hat sie etwas erreicht, das schon lange keine Frau mehr geschafft hat. Sie hat mein Interesse geweckt. Meinen Jagdtrieb. Die Lust, sie nach allen Regeln der Kunst zu benutzen und mir zu Willen zu machen.

 

Ich höre, wie sie scharf die Luft einsaugt, als ich langsam auf sie zugehe und wie mich die blauen Augen aufgeregt fixieren. Endlich macht sich doch etwas Angst in ihrem schönen Gesicht bemerkbar, das gefällt mir. Sie ist gut damit beraten, Angst zu haben, denn sie hat ein Raubtier vor sich. Einen Löwen, dem sie sich eben selbst als Beute angeboten hat.

Ihr Brustkorb hebt und senkt sich immer schneller, als ich ihren Blick auffange und festhalte. Unsere Augen verlieren sich ineinander. Es scheint fast, als könne sie in die Tiefen meiner Seele sehen. In den schwarzen Abgrund, der sich dort befindet. Es ist eigenartig, auf diese Weise von ihr wahrgenommen zu werden. Die anderen Frauen sahen das Tier nicht. Sie sahen bloß den stinkreichen, narzisstischen Unternehmer. Einen verwöhnten Sack, der Spaß daran hatte, Mädchen beim Sex zu fesseln und ein bisschen zu quälen. Doch das Bild, das mir Nathalias blaue Augen zurückwerfen ist dunkler. Aufregender. Sie denkt, sie hätte sich mit dem Teufel eingelassen. Und sie glaubt tatsächlich, sie könne gewinnen.

»Hallo Schönheit«, flüstere ich und sehe, wie sich die kleinen Härchen in ihrem Nacken aufrichten. Meine Stimme ist tief und dunkel und ich weiß nur zu gut, welche Wirkung sie auf Frauen hat. Da ist Nathalia keine Ausnahme.

Ich sehe sie schwer schlucken, als ich mein Jackett abstreife und mich über ihren zarten Körper beuge. Noch einmal, als ich meine Krawatte lockere. Den Gefallen, sie ganz abzunehmen, tue ich ihr nicht, denn ich weiß, dass sie bloß darauf wartet. Eine falsche Bewegung, einmal die Krawatte zu fest auf ihren Hals gepresst, und sie drückt ihren Notfallknopf. Doch darauf muss sie noch warten. Sie sieht ein wenig irritiert aus, weil meine Krawatte blau ist. Strahlend blau, genau wie ihre Augen und nicht grau wie die anderen, die sie bei den toten Mädchen gefunden hat. Fast kann ich sehen, wie ihre Gedanken sich zu drehen beginnen. Ist er es? Ist er es vielleicht doch nicht? Liege ich möglicherweise im Bett des Falschen?

Doch kaum ziehe ich das kleine metallene Jagdmesser aus meiner Hosentasche und streiche damit ganz sachte über ihren Bauch, verspannt sie sich wieder. Panik durchströmt sie, der Drang sofort nach Hilfe zu rufen. Doch sie tut es nicht, denn sie weiß es wäre zu früh. Noch habe ich nichts getan, was mich eindeutig als den identifizieren würde, den sie sucht. Also hält sie durch, selbst wenn das Adrenalin jetzt heftiger durch ihre Adern rauscht und die Angst ihre Pupillen weitet.

Es gefällt mir, sie so verunsichert zu sehen. Mehr noch, es erregt mich.